Nach dem Klassiker "Oberstdorf -> Gardasee" des letztes Jahres, sollte dies

unsere ( Walter Aumann  Siegfried Fendt 
Thomas Baumann ) dritte Transalp werden...

     Alpencross 2000 vom Sylvensteinstausee zum Lago di Santa Croce      

 
07. - 13. August 2000
Autor:  Walter Aumann,
© 2000
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1. Tag: Fall (Sylvensteinstausee) – Weidener Hütte  70 km  2196 hm  5.50 Std

Zunächst ca. 20 km gemütliches Einrollen, dann 4 km Schiebepassage zum Schleim- sattel. Anschließend Abfahrt über Pertisau am Achensee nach Jenbach im Inntal. In Pill beginnt der lange und vor allem im unteren Teil steile Anstieg zur Weidener Hütte (1300 hm auf 18 km ). Bis Innerst Teerstraße, anschließend Schotter.
Höhenprofil erster Tag Bachüberquerung am Schleimsattel

Wie immer, wenn wir – Sigi, Thomas und ich – unsere Alpenüberquerung starten, schüttet es wie aus Kübeln. Also heißt es gleich am Start mal wieder rein in die geliebten Regenklamotten. Nach Überwinden der ersten Hindernisse ( u.a. durch- waten eines Gebirgsbaches) und Aufwärmen in Pertisau mittels Tee und Suppe  erwartet uns im Inntal erstmals die Sonne. Doch das dicke Ende der ersten Etappe steht uns erst noch bevor, der Anstieg zur  Weidener Hütte ( 1799 m). Im unteren Teil knallt die Sonne gnadenlos auf uns herab. Auf den letzten Kilometern macht der vom tagelangen Dauerregen aufgeweichte Forstweg vor allem Sigi und mir sehr zu schaffen. Während unser „Marathonmann“ Thomas unbeeindruckt von diesen Widrigkeiten den Anstieg meistert, kommen Sigi und ich mit einiger Verspätung und dem flauen Gefühl ans Ziel, ob wir für die bevorstehenden Tage wirklich gerüstet sind. Aber nach einem wunderbaren Geschnetzelten und dem zweiten  Weißbier sind diese Bedenken schnell verflogen.



2. Tag: Weidener Hütte – Tuxerjoch Haus  36 km  1575 hm  3.50 Std

Auf Forstweg und später gut fahrbarem Pfad zum Geiseljoch ( 2291 m ). Anschließend Abfahrt über Vallrugalm nach Vorderlanersbach zunächst auf Forst-, später auf Teerstraße. Dort beginnt der Anstieg zum Tuxerjoch. Bis Hintertux auf Teerstraße gemütlich bergauf. Vor Hintertux rechts zur Bichlalm. Fortstraße, wird steiler. Von der Bichl- über die Sonnenbergalm zum Tuxerjoch Haus ( 1000 hm auf 9 km ), zum Teil sehr steile Rampen.

Höhenprofil zweiter Tag Aufstieg zum Geiseljoch

Nach einem kräftigen Frühstück ( Eier mit Speck ) geht´s die restlichen 500 hm hinauf zum Geiseljoch ( 2291 m ). Der Forstweg ist in einem erstaunlich guten Zustand und unsere Kondition auch, so daß wir die knapp 5 km ohne Probleme bewältigen. Zu unserer Überraschung ist das Geiseljoch komplett fahrbar und der Ausblick auf die Gletscher von Tux und Schlegeis belohnen uns für unsere Mühen. Die folgende Abfahrt bis Vorderlanersbach ist traumhaft und komplett fahrbar. Von hier geht´s wieder bergauf. Kurz vor Hintertux zweigt der Weg rechts ab zur Bichlalm und damit beginnt der Anstieg zum Tuxer Joch ( 2338 m ). Bis zur Bichlalm steigt der Forstweg moderat an ( 9 – 10 % ). Dort wird erstmal eingekehrt. Wir sitzen auf der Terasse und genießen den herrlichen Ausblick auf den Hintertuxer Gletscher. Die restliche Strecke verlangt nochmal alles von uns ab. Es folgen immer steilere Rampen und nach der Sonnenbergalm stellen wir zum Teil auf „Fußbetrieb“ um. Nach 2.30 Std Fahrzeit erreichen wir das Tuxerjoch Haus (2340 m), indem wir gleich die Erfahrung machen, wie kostbar warmes Wasser sein kann ( 40 öS für 5 Minuten ). Diese Hütte zählt auch sonst nicht gerade zu den Billigunterkünften.



3. Tag: Tuxerjoch Haus – Enzianhütte  42 km  1310 hm  4.05 Std

Nach ca 500 m erreicht man das Tuxerjoch ( 2338 m ). Danach 500 hm Fußmarsch bis kurz vor Kaserer Alm. Anschließend schöne Abfahrt auf Teerstraße bis St. Jodok. Dort auf Brennerbundesstraße nach Gries. Im Ort rechts nach Vinaders. An der Kirche links auf Sattelalm ( 600 hm auf 10 km ). Nach Überqueren der Staatsgrenze über Wiesengelände und danach steil bergab. Man trifft auf Brennerstaatsstraße und folgt dieser bis kurz hinter Brennerbad. Dann links durch Autobahnunterführung Richtung Enzianhütte ( 550 hm auf 11 km ). Achtung: sehr schlecht beschildert!

 
Höhenprofil dritter Tag ...die letzten Meter zum Tuxerjoch Haus

Kaum haben wir es uns heute auf unserem Fahrrad bequem gemacht ( Bepanthen und Sixtufit sei Dank ) heißt es bereits wieder absteigen. Nach Überqueren des Tuxerjochs sind die ersten 500 hm bergab zu Fuß zurückzulegen. Anschließend rollen wir gemütlich nach Vinaders und nehmen den  moderaten Anstieg zur Sattelalm in Angriff. Nachdem wir dort mit unterschiedlichem Erfolg versucht haben das sehr feuchte Wiesengelände zu durchqueren, bietet sich uns ein toller Ausblick auf die ehemalige Grenzstation an der Brennerautobahn. In Brennerbad füllen wir unsere Kohlehydratspeicher auf und nehmen dann den Anstieg zur Enzianhütte in Angriff. Erstes Ziel ist allerdings die Ziroghütte wegen ihres ausgezeichneten capuccino. Die Einkehr ist jedoch vor allem auch wegen des  sehr netten weiblichen Service zu empfehlen.  Derart gestärkt sitzen wir die restlichen 100 hm auf einer Backe ab. Auf der Enzianhütte sind wir die einzigen Gäste und genießen bei Tiroler Tris den herrlichen Ausblick ins Brennertal und auf die gegenüberliegenden Grenzkammstraßen, die Mussolini während des 2. Weltkrieges anlegen ließ.



4. Tag: Enzianhütte – Bruneck  65 km  1787 hm  6.25 Std

300 hm zum Schlüsseljoch nicht fahrbar, vom Schlüsseljoch ein atemberaubender, sehr anspruchsvoller Trial ins Tal nach Fußendraß. Dort beginnt sofort der Aufstieg zum Pfunderer Joch ( 1200 hm auf 9 km ). Die ersten ca. 700 hm sind fahrbar, aber sehr steil  ( 12 – 18 % Steigung ). Danach Pfad und nur noch vereinzelte fahrbare Abschnitte. Nach Erreichen des Jochs ( 2560 m )  folgt ein traumhafter Trial bergab ( für geübte Downhiller fast komplett fahrbar ), später Forstweg. Über Pfunders rollt man nach Niedervintl ins Pustertal. Dort am Fluß bzw. der Bahnlinie entlang nach Bruneck ( Weg nicht immer leicht zu finden, da kein durchgehender Radweg ).

 
Höhenprofil vierter Tag ...der Weg zum Pfunderer Joch

Heute und morgen stehen die beiden Königsetappen auf dem Programm. Auf den 300 hm von der Enzianhütte zum Schlüsseljoch ist ans Fahren nicht zu denken. Der Weg ist steil und total ausgewaschen. Doch der Blick vom Schlüsseljoch ( 2212 m ) auf die Zillertaler Alpen und das Pfitschtal entschädigt für diese Schiebestrecke. Der Blick ins gegenüberliegende Tal zeigt aber auch, was uns heute noch erwartet, der sehr steile und lange Anstieg zum höchsten Punkt unserer diesjährigen Tour, dem Pfunderer Joch. Die Abfahrt vom Schlüsseljoch erweist sich als traumhafter, aber äußerst anspruchvoller Trial, der Sigi beinahe zum Verhängnis wird. An einer steilen Passage stellt sich sein Vorderrad quer, er fällt vornüber und landet mit seinem Oberkörper über dem Abgrund. Zum Glück kommt er mit ein paar Kratzern und wir alle mit dem Schrecken davon. In Fußendraß heißt’s nochmal Kräfte sammeln und dann geht’s hinein in den Anstieg auf’s Dach der diesjährigen Tour. Wie wichtig das Kräftesammeln war, zeigen bereits die ersten Meter. Der Forstweg schlängelt sich erbarmungslos  durch’s enge Tal hinauf ohne Erholungspause. Nach Erreichen der Baumgrenze stellen wir um auf „Fußbetrieb“ und erreichen nach 3 ½ Stunden  das Joch. Der Ausblick auf die Gletscher ist atemberaubend. Aber es wartet noch eine lange Abfahrt. Im Gegensatz zum Aufstieg ist der Pfad je nach Fahrkönnen fast komplett fahrbar. Dennoch dauert es fast eine Ewigkeit, bis wir Pfunders erreichen und endlich unseren Hunger stillen können. Zwar gibt’s nur Käsesemmel, aber das spielt in diesem Augenblick keine Rolle. Anschließend genießen wir die Abfahrt ins Pustertal. Dort gestaltet sich die Wegsuche nach Bruneck aufwendiger als gedacht. Als ich einen vorbeifahrenden Mountainbiker nach dem Weg frage, begleitet er uns ein Stück und erzählt ganz nebenbei, daß er bei der diesjährigen adidas challenge zusammen mit seinem Partner Pallhuber den 2. Platz belegt hat. Nach 10 Stunden treffen wir endlich in Bruneck ein, wo uns das altehrwürdige Hotel Post erwartet, in dem bereits Kaiser Franz Josef genächtigt hat.



5. Tag: Bruneck – Lavarellahütte  48 km  2248 hm  5.10 Std

Von Bruneck auf Kronplatz sehr langer, aber moderater und komplett fahrbarer Anstieg ( 1500 hm auf 15 km ). Vom Kronplatz bergab Richtung St. Vigil und weiter zur Pederühütte. Dort beginnt der sehr anstrengende Anstieg zur Lavarellahütte ( 500 hm auf 6 km ).

 
Höhenprofil fünfter Tag ...der schwere Blick zur Fanes

Auf der heutigen Etappe warten die meisten Höhenmeter auf uns. Von Bruneck rollen wir nach Reischach am Fuße des Kronplatzes. Der Sturz vom Vortag hat bei Sigi außer ein paar Schrammen zum Glück keine weiteren Spuren hinterlassen. So nehmen wir den ersten Anstieg des Tages in Angriff. Dieser ist zwar mit ca. 15 km sehr lang, steigt aber moderat und gleichmäßig an. Nachdem unser Servicemann Thomas den ersten derberen Defekt ( Kettenriss ) behoben hat, erreichen wir den Gipfel ( 2273 m ). Der Ausblick ist sensationell. Man hat einen 360 Grad Rundumblick, sieht auf der einen Seite die Dolomiten mit der Marmolada, auf der anderen die Gipfel des Alpenhauptkammes. Allerdings wird der Blick immer wieder gestört durch zahllose Liftstationen, die den Gipfel übersähen. Dank eines Tipps des Hüttenwirtes vom Rifugio CAI gerät die Abfahrt Richtung  St. Vigil zum reinen Downhillvergnügen, zunächst auf Schotter-, später auf Teerpiste. Kurz vor St. Vigil zweigen wir links ab und rollen zur Pederühütte. Dort wartet der Schlußanstieg des heutigen Tages zur Lavarellahütte ( 2050 m ), der uns bei zwei vorangegangenen Touren bereits schwer zu schaffen machte. Das erste Teilstück ist sehr steil und der Untergrund ziemlich locker. Dennoch finden wir diesmal schnell unseren Rhythmus und nehmen diese Hürde ohne große Probleme, bis mir unmittelbar vor Ende des Steilstückes zum zweiten Mal an diesem Tag die Kette reißt. Leicht säuerlich lege ich die restliche Wegstrecke zu Fuß zurück. Am Abend auf der Hütte ist dieses Malheur bereits wieder vergessen. Bei vino und grappa genießen wir den Ausblick auf die gegenüberliegende Faneshütte und die Atmosphäre in dieser erstklassigen Unterkunft.



6. Tag: Lavarellahütte – Rifugio Venezia  43 km  1250 hm  4 Std

Kurzer, aber knackiger Anstieg ( 2 km, 18 % ) zum Limojoch ( 2172 m ). Nach ca. 2 km vor großer Fanesalm links bergab Richtung Cortina ( ca. 16 km ). Nach Cortina weiter bergab bis St. Vito, dort rechts Richtung Cerves. Hier beginnt äußerst steiler Anstieg zum Rifugio Venezia. Maximal 20 % fahrbar, für Mountainbiker nicht empfehlenswert !

 
Höhenprofil sechster Tag Blick auf Cortina d'Ampezzo

Schweren Herzens verlassen wir unser Domizil in dieser herrlichen Umgebung. Der kurze Anstieg zum Limojoch verteibt schnell die müden Geister aus unserem Körper. Dafür folgt anschließend ein langer und anspruchsvoller Trial durch die landschaftlich spektakuläre Fanesschlucht. Nach ca 4 km weist ein Schild auf einen Wasserfall hin, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Man kann sich hinter diesen Wasserfall stellen und durch den Wasserstrahl hindurch ins Tal blicken. Anschließend rollen wir nach Cortina d’Ampezzo, wo wir uns für den letzten Anstieg unseres diesjährigen Alpencross rüsten. Begleitet von einem kräftigen Gewitter fahren wir nach Cerves, wo der Anstieg zum Rifugio Venezia beginnt. Dieser entpuppt sich als böse Überraschung. Der Weg ist so extrem steil und in schlechtem Zustand, daß wir selbst zu Fuß an manchen Passagen zu kämpfen haben. Ans Fahren ist jedenfalls nicht zu denken. Die Hütte liegt spektakulär auf fast 2000 m Höhe am Fuße des Mt. Pelmo. Allerdings erwartet uns hier die nächste Überraschung. Statt des reservierten Dreierzimmers werden wir in einem Achterzimmer einquartiert. Beim Öffnen der Türe schlagen unsere Geruchsorgane sofort Alarm. Unsere Mitbewohner - allesamt Bergsteiger – haben sich bereits häuslich eingerichtet, eine Wäscheleine quer durch’s Zimmer gezogen und dort fein säuberlich ihre dezent duftenden Utensilien wie Socken etc. aufgehängt. Der Duft mancher Kleidungsstücke ist so hartnäckig, daß sich Sigi nur zu helfen weiß, indem er den Duftspender ( Lavendel ) aus der Toilette holt und unter seine Nase hält. Aber auch diese Nacht geht vorüber.



7. Tag: Rifugio Venezia – Lago di Santa Croce  66 km  283 hm  3.30 Std

Kurze Schiebepassage ( ca. 1 km ), danach endlos bergab über Zoppe di Cadore, Forno di Zoldo nach Langarone ( ca. 30 km ). Danach gemütliches Ausradeln zum Lago di Santa Croce.

 
Höhenprofil siebter Tag Kurz vor dem Ziel

Nach einer unvergessenen Nacht nehmen wir die letzte Etappe in Angriff. Zunächst geht’s zu Fuß durch sehr schlammiges Wiesengelände. Aber bald wird der Weg fahrbar und wir rollen bergab bis Langarone. Von dort radeln wir unserem Endziel entgegen. Als wir nach einer kurzen Irrfahrt vor dem See stehen, können wir es zunächst gar nicht glauben, so klein und unscheinbar, wie er daliegt. Aber das nächste Ortsschild verrät, daß wir an unserem Ziel angekommen sind. Am Hotel warten schon unsere Taxis, die meine Mitstreiter nach Hause und mich an den Gardasee bringen, wo ich mich eine Woche erholen und kein Fahrrad anfassen werde.


Fazit

Die beschriebene Route ist vor allem empfehlenswert für Biker, die nicht jeden Abend über Federwege oder Rahmenmaße reden wollen, weil man verhältnismäßig wenig Mountainbiker trifft. Sie ist landschaftlich äußerst reizvoll und stellt hohe konditionelle und fahrtechnische Anforderungen.

Daten der gesamten Tour

Gesamtstrecke:   368 km
Höhenmeter:       10696 hm
Reine Fahrzeit:   32,42 Std


Fotos von unserer Tour

Streckenverlauf  unserer Tour

Profile

Höhenprofil der gesamten Tour

 

© 10. Februar 2001 Siegfried Fendt