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Alpencross 2000 vom Sylvensteinstausee zum Lago di Santa Croce |
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Zunächst
ca. 20 km gemütliches Einrollen, dann 4 km Schiebepassage zum Schleim-
sattel. Anschließend Abfahrt über Pertisau am Achensee nach Jenbach im Inntal.
In Pill beginnt der lange und vor allem im unteren Teil steile Anstieg zur Weidener Hütte
(1300 hm auf 18 km ). Bis Innerst Teerstraße, anschließend Schotter.
Wie immer,
wenn wir – Sigi, Thomas und ich – unsere Alpenüberquerung starten, schüttet
es wie aus Kübeln. Also heißt es
gleich am Start mal wieder rein in die geliebten Regenklamotten. Nach Überwinden
der ersten Hindernisse ( u.a. durch- waten eines Gebirgsbaches) und Aufwärmen
in Pertisau mittels Tee und Suppe erwartet
uns im Inntal erstmals die Sonne. Doch das dicke Ende der ersten Etappe
steht uns erst noch bevor, der Anstieg zur Weidener
Hütte ( 1799 m). Im unteren Teil knallt die Sonne gnadenlos auf uns
herab. Auf den letzten Kilometern macht der vom tagelangen Dauerregen
aufgeweichte Forstweg vor allem Sigi und mir sehr zu schaffen. Während
unser „Marathonmann“ Thomas unbeeindruckt von diesen Widrigkeiten den
Anstieg meistert, kommen Sigi und ich mit einiger Verspätung und dem
flauen Gefühl ans Ziel, ob wir für die bevorstehenden Tage wirklich gerüstet
sind. Aber nach einem wunderbaren Geschnetzelten und dem zweiten Weißbier sind diese Bedenken schnell verflogen. Auf Forstweg und später gut fahrbarem Pfad
zum Geiseljoch ( 2291 m ). Anschließend Abfahrt über Vallrugalm nach
Vorderlanersbach zunächst auf Forst-, später auf Teerstraße. Dort
beginnt der Anstieg zum Tuxerjoch. Bis Hintertux auf Teerstraße gemütlich
bergauf. Vor Hintertux rechts zur Bichlalm. Fortstraße, wird steiler. Von
der Bichl- über die Sonnenbergalm zum Tuxerjoch Haus ( 1000 hm auf 9 km
), zum Teil sehr steile Rampen. Nach einem kräftigen Frühstück ( Eier mit
Speck ) geht´s die restlichen 500 hm hinauf zum Geiseljoch ( 2291 m ).
Der Forstweg ist in einem erstaunlich guten Zustand und unsere Kondition
auch, so daß wir die knapp 5 km ohne Probleme bewältigen. Zu unserer Überraschung
ist das Geiseljoch komplett fahrbar und der Ausblick auf die Gletscher von
Tux und Schlegeis belohnen uns für unsere Mühen. Die folgende Abfahrt
bis Vorderlanersbach ist traumhaft und komplett fahrbar. Von hier geht´s
wieder bergauf. Kurz vor Hintertux zweigt der Weg rechts ab zur Bichlalm
und damit beginnt der Anstieg zum Tuxer Joch ( 2338 m ). Bis zur Bichlalm
steigt der Forstweg moderat an ( 9 – 10 % ). Dort wird erstmal
eingekehrt. Wir sitzen auf der Terasse und genießen den herrlichen
Ausblick auf den Hintertuxer Gletscher. Die restliche Strecke verlangt
nochmal alles von uns ab. Es folgen immer steilere Rampen und nach der
Sonnenbergalm stellen wir zum Teil auf „Fußbetrieb“ um. Nach 2.30 Std
Fahrzeit erreichen wir das Tuxerjoch Haus (2340 m), indem wir gleich die
Erfahrung machen, wie kostbar warmes Wasser sein kann ( 40 öS für 5
Minuten ). Diese Hütte zählt auch sonst nicht gerade zu den Billigunterkünften.
Nach ca 500 m erreicht man das Tuxerjoch (
2338 m ). Danach 500 hm Fußmarsch bis kurz vor Kaserer Alm. Anschließend
schöne Abfahrt auf Teerstraße bis St. Jodok. Dort auf Brennerbundesstraße
nach Gries. Im Ort rechts nach Vinaders. An der Kirche links auf Sattelalm
( 600 hm auf 10 km ). Nach Überqueren der Staatsgrenze über Wiesengelände
und danach steil bergab. Man trifft auf Brennerstaatsstraße und folgt
dieser bis kurz hinter Brennerbad. Dann links durch Autobahnunterführung
Richtung Enzianhütte ( 550 hm auf 11 km ). Achtung: sehr schlecht
beschildert!
Kaum haben wir es uns heute auf unserem
Fahrrad bequem gemacht ( Bepanthen und Sixtufit sei Dank ) heißt es
bereits wieder absteigen. Nach Überqueren des Tuxerjochs sind die ersten
500 hm bergab zu Fuß zurückzulegen. Anschließend rollen wir gemütlich
nach Vinaders und nehmen den moderaten Anstieg zur Sattelalm in
Angriff. Nachdem wir dort mit unterschiedlichem Erfolg versucht haben das
sehr feuchte Wiesengelände zu durchqueren, bietet sich uns ein toller
Ausblick auf die ehemalige Grenzstation an der Brennerautobahn. In
Brennerbad füllen wir unsere Kohlehydratspeicher auf und nehmen dann den
Anstieg zur Enzianhütte in Angriff. Erstes Ziel ist allerdings die Ziroghütte
wegen ihres ausgezeichneten capuccino. Die Einkehr ist jedoch vor allem
auch wegen des sehr netten weiblichen Service zu empfehlen.
Derart gestärkt sitzen wir die restlichen 100 hm auf einer Backe ab. Auf
der Enzianhütte sind wir die einzigen Gäste und genießen bei Tiroler
Tris den herrlichen Ausblick ins Brennertal und auf die gegenüberliegenden
Grenzkammstraßen, die Mussolini während des 2. Weltkrieges anlegen ließ.
300 hm zum Schlüsseljoch nicht fahrbar, vom
Schlüsseljoch ein atemberaubender, sehr anspruchsvoller Trial ins Tal
nach Fußendraß. Dort beginnt sofort der Aufstieg zum Pfunderer Joch (
1200 hm auf 9 km ). Die ersten ca. 700 hm sind fahrbar, aber sehr steil
( 12 – 18 % Steigung ). Danach Pfad und nur noch vereinzelte fahrbare
Abschnitte. Nach Erreichen des Jochs ( 2560 m ) folgt ein
traumhafter Trial bergab ( für geübte Downhiller fast komplett fahrbar
), später Forstweg. Über Pfunders rollt man nach Niedervintl ins
Pustertal. Dort am Fluß bzw. der Bahnlinie entlang nach Bruneck ( Weg
nicht immer leicht zu finden, da kein durchgehender Radweg ).
Heute und morgen stehen die beiden Königsetappen
auf dem Programm. Auf den 300 hm von der Enzianhütte zum Schlüsseljoch
ist ans Fahren nicht zu denken. Der Weg ist steil und total ausgewaschen.
Doch der Blick vom Schlüsseljoch ( 2212 m ) auf die Zillertaler Alpen und
das Pfitschtal entschädigt für diese Schiebestrecke. Der Blick ins gegenüberliegende
Tal zeigt aber auch, was uns heute noch erwartet, der sehr steile und
lange Anstieg zum höchsten Punkt unserer diesjährigen Tour, dem
Pfunderer Joch. Die Abfahrt vom Schlüsseljoch erweist sich als
traumhafter, aber äußerst anspruchvoller Trial, der Sigi beinahe
zum Verhängnis wird. An einer steilen Passage stellt sich sein Vorderrad
quer, er fällt vornüber und landet mit seinem Oberkörper über dem
Abgrund. Zum Glück kommt er mit ein paar Kratzern und wir alle mit dem
Schrecken davon. In Fußendraß heißt’s nochmal Kräfte sammeln und
dann geht’s hinein in den Anstieg auf’s Dach der diesjährigen Tour.
Wie wichtig das Kräftesammeln war, zeigen bereits die ersten Meter. Der
Forstweg schlängelt sich erbarmungslos durch’s enge Tal hinauf
ohne Erholungspause. Nach Erreichen der Baumgrenze stellen wir um auf
„Fußbetrieb“ und erreichen nach 3 ½ Stunden das Joch. Der
Ausblick auf die Gletscher ist atemberaubend. Aber es wartet noch eine
lange Abfahrt. Im Gegensatz zum Aufstieg ist der Pfad je nach Fahrkönnen
fast komplett fahrbar. Dennoch dauert es fast eine Ewigkeit, bis wir
Pfunders erreichen und endlich unseren Hunger stillen können. Zwar
gibt’s nur Käsesemmel, aber das spielt in diesem Augenblick keine
Rolle. Anschließend genießen wir die Abfahrt ins Pustertal. Dort
gestaltet sich die Wegsuche nach Bruneck aufwendiger als gedacht. Als ich
einen vorbeifahrenden Mountainbiker nach dem Weg frage, begleitet er uns
ein Stück und erzählt ganz nebenbei, daß er bei der diesjährigen
adidas challenge zusammen mit seinem Partner Pallhuber den 2. Platz belegt
hat. Nach 10 Stunden treffen wir endlich in Bruneck ein, wo uns das
altehrwürdige Hotel Post erwartet, in dem bereits Kaiser Franz Josef genächtigt
hat.
Von Bruneck auf Kronplatz
sehr langer, aber moderater und komplett fahrbarer Anstieg ( 1500 hm auf
15 km ). Vom Kronplatz bergab Richtung St. Vigil und weiter zur Pederühütte.
Dort beginnt der sehr anstrengende Anstieg zur Lavarellahütte ( 500 hm
auf 6 km ).
Auf der heutigen Etappe
warten die meisten Höhenmeter auf uns. Von Bruneck rollen wir nach
Reischach am Fuße des Kronplatzes. Der Sturz vom Vortag hat bei Sigi außer
ein paar Schrammen zum Glück keine weiteren Spuren hinterlassen. So
nehmen wir den ersten Anstieg des Tages in Angriff. Dieser ist zwar mit
ca. 15 km sehr lang, steigt aber moderat und gleichmäßig an. Nachdem
unser Servicemann Thomas den ersten derberen Defekt ( Kettenriss ) behoben
hat, erreichen wir den Gipfel ( 2273 m ). Der Ausblick ist sensationell.
Man hat einen 360 Grad Rundumblick, sieht auf der einen Seite die
Dolomiten mit der Marmolada, auf der anderen die Gipfel des
Alpenhauptkammes. Allerdings wird der Blick immer wieder gestört durch
zahllose Liftstationen, die den Gipfel übersähen. Dank eines Tipps des Hüttenwirtes
vom Rifugio CAI gerät die Abfahrt Richtung St. Vigil zum reinen
Downhillvergnügen, zunächst auf Schotter-, später auf Teerpiste. Kurz
vor St. Vigil zweigen wir links ab und rollen zur Pederühütte. Dort
wartet der Schlußanstieg des heutigen Tages zur Lavarellahütte ( 2050 m
), der uns bei zwei vorangegangenen Touren bereits schwer zu schaffen
machte. Das erste Teilstück ist sehr steil und der Untergrund ziemlich
locker. Dennoch finden wir diesmal schnell unseren Rhythmus und nehmen
diese Hürde ohne große Probleme, bis mir unmittelbar vor Ende des
Steilstückes zum zweiten Mal an diesem Tag die Kette reißt. Leicht säuerlich
lege ich die restliche Wegstrecke zu Fuß zurück. Am Abend auf der Hütte
ist dieses Malheur bereits wieder vergessen. Bei vino und grappa genießen
wir den Ausblick auf die gegenüberliegende Faneshütte und die Atmosphäre
in dieser erstklassigen Unterkunft.
Kurzer, aber knackiger
Anstieg ( 2 km, 18 % ) zum Limojoch ( 2172 m ). Nach ca. 2 km vor großer
Fanesalm links bergab Richtung Cortina ( ca. 16 km ). Nach Cortina weiter
bergab bis St. Vito, dort rechts Richtung Cerves. Hier beginnt äußerst
steiler Anstieg zum Rifugio Venezia. Maximal 20 % fahrbar, für
Mountainbiker nicht empfehlenswert !
Schweren Herzens verlassen
wir unser Domizil in dieser herrlichen Umgebung. Der kurze Anstieg zum
Limojoch verteibt schnell die müden Geister aus unserem Körper. Dafür
folgt anschließend ein langer und anspruchsvoller Trial durch die
landschaftlich spektakuläre Fanesschlucht. Nach ca 4 km weist ein Schild
auf einen Wasserfall hin, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Man
kann sich hinter diesen Wasserfall stellen und durch den Wasserstrahl
hindurch ins Tal blicken. Anschließend rollen wir nach Cortina
d’Ampezzo, wo wir uns für den letzten Anstieg unseres diesjährigen
Alpencross rüsten. Begleitet von einem kräftigen Gewitter fahren wir
nach Cerves, wo der Anstieg zum Rifugio Venezia beginnt. Dieser entpuppt
sich als böse Überraschung. Der Weg ist so extrem steil und in
schlechtem Zustand, daß wir selbst zu Fuß an manchen Passagen zu kämpfen
haben. Ans Fahren ist jedenfalls nicht zu denken. Die Hütte liegt
spektakulär auf fast 2000 m Höhe am Fuße des Mt. Pelmo. Allerdings
erwartet uns hier die nächste Überraschung. Statt des reservierten
Dreierzimmers werden wir in einem Achterzimmer einquartiert. Beim Öffnen
der Türe schlagen unsere Geruchsorgane sofort Alarm. Unsere Mitbewohner -
allesamt Bergsteiger – haben sich bereits häuslich eingerichtet, eine Wäscheleine
quer durch’s Zimmer gezogen und dort fein säuberlich ihre dezent
duftenden Utensilien wie Socken etc. aufgehängt. Der Duft mancher
Kleidungsstücke ist so hartnäckig, daß sich Sigi nur zu helfen weiß,
indem er den Duftspender ( Lavendel ) aus der Toilette holt und unter
seine Nase hält. Aber auch diese Nacht geht vorüber.
Kurze Schiebepassage ( ca. 1
km ), danach endlos bergab über Zoppe di Cadore, Forno di Zoldo nach
Langarone ( ca. 30 km ). Danach gemütliches Ausradeln zum Lago di Santa
Croce.
Nach einer unvergessenen
Nacht nehmen wir die letzte Etappe in Angriff. Zunächst geht’s zu Fuß
durch sehr schlammiges Wiesengelände. Aber bald wird der Weg fahrbar und
wir rollen bergab bis Langarone. Von dort radeln wir unserem Endziel
entgegen. Als wir nach einer kurzen Irrfahrt vor dem See stehen, können
wir es zunächst gar nicht glauben, so klein und unscheinbar, wie er
daliegt. Aber das nächste Ortsschild verrät, daß wir an unserem Ziel
angekommen sind. Am Hotel warten schon unsere Taxis, die meine Mitstreiter
nach Hause und mich an den Gardasee bringen, wo ich mich eine Woche
erholen und kein Fahrrad anfassen werde. Die beschriebene Route ist
vor allem empfehlenswert für Biker, die nicht jeden Abend über Federwege
oder Rahmenmaße reden wollen, weil man verhältnismäßig wenig
Mountainbiker trifft. Sie ist landschaftlich äußerst reizvoll und stellt
hohe konditionelle und fahrtechnische Anforderungen.
Daten der gesamten Tour Gesamtstrecke:
368 km
© 10. Februar 2001
Siegfried Fendt |
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